BILANZBUCHHALTER- UND CONTROLLER-BRIEF

Informationen zur selbstständigen Berufsausübung
als Bilanzbuchhalter / Buchführungshelfer 

Selbstständig als Bilanzbuchhalter – Erfolgschancen und Probleme 

Bilanzbuchhalter in Deutschland haben eine hohe Qualifikation, die sie durch eine entsprechende Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer nachgewiesen haben. Die Ausbildung von Bilanzbuchhaltern umfasst unter anderem 

  1. Gewährleisten der Organisation und Funktion des betrieblichen Rechnungswesens,
  2. Erstellung des Jahresabschlusses und Lageberichts nach Handelsrecht sowie der Steuerbilanz und Berichterstattung aus Finanz- und  Betriebsbuchhaltung,
  3. Auswerten und Interpretieren des Zahlenwerkes für die Planungs- und Kontrollentscheidungen. 

Viele Berufskollegen und –kolleginnen möchten diese Tätigkeit nicht nur im Angestelltenverhältnis, sondern auch als selbstständige Unternehmer durchführen. Der Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller e.V. (BVBC e.V.) schätzt, dass zur Zeit ca. 20.000 Bilanzbuchhalter in Deutschland haupt- oder nebenberuflich selbstständig tätig sind.

Chancen:

Unstrittig ist, dass es einen Markt für die Dienstleistungen gibt, die ein selbstständiger Bilanzbuchhalter anbieten kann. Neben den laufenden Buchhaltungsaufgaben kommen hier Nebenleistungen wie OP-Pflege, Zahlungsverkehr, Schriftverkehr, Kostenrechnung, betriebswirtschaftliche Beratung und ähnliche Leistungen in Frage. 

Die Palette der Möglichkeiten endet dort, wo die „Hilfestellung in Steuersachen“ anfängt – und zu dieser gehört auch die „Buchführungshilfe“ im weitesten Sinne. Das Steuerberatungsgesetz (StBerG) regelt, welche Tätigkeiten eine Person, die nicht zu den steuerberatenden Berufen gehört, in diesem Bereich erledigen darf und welche nicht. 

Rechtliche Rahmenbedingungen:

Es steht außerhalb jeder Diskussion, dass ein selbstständiger Bilanzbuchhalter keine steuerlichen Beratungsleistungen erbringen darf. Dazu gehört auch die Hilfeleistung bei der Fertigung von betrieblichen oder persönlichen Steuererklärungen einschließlich der Durchführung des Lohnsteuerjahresausgleiches nach § 42 b EStG. 

Kompliziert wird die Rechtslage bei der Buchführungshilfe. Hier werden 3 Bereiche unterschieden:

  • Einrichtung der Buchführung: Hierzu zählt z. B. das Anlegen von Konten und das Erstellen eines Kontenplanes sowie das Einrichten von Lohnkonten. Diese Tätigkeiten sind den steuerberatenden Berufen vorbehalten.
  • Laufende Buchführung: Hierzu zählt das Kontieren und Erfassen der laufenden Geschäftsvorfälle, das Erstellen der laufenden Lohnabrechnungen und das Fertigen der Lohnsteueranmeldung. Diese Tätigkeiten dürfen von Personen erledigt werden, die eine kaufmännische Ausbildung absolviert haben und über mindestens 3 Jahre Berufserfahrung verfügen. Bilanzbuchhalter erfüllen diese Voraussetzung immer.
  • Abschlussarbeiten: Im Bereich der Abschlussarbeiten (Jahresabschluss mit Gewinn- und Verlustrechnung, Bilanz, Abschluss der Lohnkonten und Durchführung des Arbeitgeber-Lohnsteuerjahresausgleiches) dürfen nach geltendem Recht nur Angehörige der steuerberatenden Berufe tätig werden.  

Die dargestellte Abgrenzung geht auf zwei grundlegende Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts aus den Jahren 1980 (1 BvR 697/77) und 1982 (1 BvR 807/80) zurück.

Ein besonderes Problem stellt die Umsatzsteuer-Voranmeldung dar. Obwohl den selbstständigen Bilanzbuchhaltern die Erstellung der Lohnsteueranmeldung erlaubt ist, zählt die Erstellung der Umsatzsteuervoranmeldung zu den immer noch verbotenen Tätigkeiten.

Werbung:

Aus der oben dargestellten Problematik ergeben sich vielschichtige Konsequenzen für den Bereich der Werbung. Als Gewerbetreibende dürfen Bilanzbuchhalter werben – ob in Form von Direktwerbung oder Anzeigenschaltung. Allerdings ist es grundsätzlich nicht erlaubt, für Leistungen zu werben, die man nicht erbringen kann oder darf. Im Bezug auf die Buchhaltung wird dieser Grundsatz von den Gerichten sehr eng ausgelegt. Bereits mehrfach sind die Steuerberaterkammern gegen Werbung mit Begriffen wie „Buchhaltung“, „Buchführung“, „Buchführungshelfer“ usw. gerichtlich vorgegangen. Immer haben die Gerichte die Auffassung vertreten, dass die „angesprochenen Verkehrskreise“, sprich die Kunden, bei der Verwendung dieser Begriffe irriger Weise davon ausgehen könnten, dass nicht nur die zulässigen Teilbereiche der Buchhaltung, sondern die gesamte Buchhaltung inkl. Einrichtung der Buchführung und Abschlussarbeiten angeboten wird.

Nach der seit 11. April 2008 geltenden neuen Formulierung des § 8 Abs. 4 StBerG dürfen selbstständige Bilanzbuchhalter nunmehr mit ihrer Berufsbezeichnung werben, wobei sie jedoch nicht gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verstoßen dürfen. Die ausdrückliche Pflicht, sämtliche erlaubten Tätigkeiten nach § 6 Nr. 4 StBerG im Einzelnen zu nennen, ist entfallen.

Im Wege der historischen und der systematischen Gesetzesauslegung vertreten wir die Auffassung, dass nach dem Willen des Gesetzgebers alleine die Nennung der Berufsbezeichnung nicht mehr als Übermaßwerbung angesehen werden soll. Erst dann, wenn weitere Umstände hinzutreten, also selbstständige Bilanzbuchhalter z.B. ihre Leistungen anpreisen (Internet, Werbeanzeigen), müsste demnach klargestellt werden, dass sie keine ihnen nicht erlaubten Tätigkeiten anbieten und sämtliche erlaubten Tätigkeiten nennen. Das würde praktisch bedeuten, dass Telefonbucheinträge, Briefbögen und Visitenkarten unter Verwendung der Berufsbezeichnung ohne den Rattenschwanz an Erläuterungen möglich wären. Angebotsschreiben, Homepages, etc. müssten jedoch wieder entsprechende Hinweise enthalten.

In welchen Fällen zur Vermeidung von Übermaßwerbung nach dem UWG noch einschränkende Hinweise notwendig sind und ob sich Bilanzbuchhalter z.B. bei Telefonbucheinträgen und auf Visitenkarten auf die Nennung ihrer Berufsbezeichnung beschränken können, wird die Rechtsprechung noch im Einzelnen klären. Wer kein Risiko eingehen will, dem empfehlen wir, zunächst vorsorglich noch die nach § 6 Nr. 4 angebotenen Tätigkeiten im Einzelnen zu nennen, bis eine höchstrichterliche Klärung des Umfangs der Werbebefugnisse nach dem neuen § 8 Abs. 4 StBerG vorliegt.

 

Informationsmöglichkeiten:

Diese Darstellung kann nur einen kurzen Überblick über die Möglichkeiten, Chancen und Risiken eines selbstständigen Bilanzbuchhalters darstellen. Es ist unbedingt notwendig, sich vor Beginn einer selbstständigen Tätigkeit umfassend zu informieren. Selbstverständliche ist es für die Bilanzbuchhalter nicht akzeptabel, trotz der nachgewiesenen hohen Qualifikation derart eingeschränkt zu werben. Der Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller e.V. (BVBC e.V.) als Interessenvertretung der Bilanzbuchhalter setzt sich für eine angemessene Erweiterung der Befugnisse der selbstständigen Bilanzbuchhalter ein. Gleichzeitig veröffentlicht er regelmäßig Broschüren zu verschiedensten Einzelthemen, die für die selbstständigen Bilanzbuchhalter von Bedeutung sind (z. B. Werbung, Zusammenarbeit mit Steuerberatern, Preisgestaltung, Vertragsmuster ...) und bietet Seminare zu dieser Problematik an.

 

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