Controller: Lotsen für den wirtschaftlichen Erfolg

Betriebswirtschaftliche Entscheidungen werden immer komplexer. Controller überblicken die Entwicklung von Unternehmen und stoßen mit fundierten Analysen Veränderungen an. Sie sind gefragter denn je.  

„Heute schon tun, woran andere erst morgen denken, denn nur beständig ist der Wandel“ – so Heraklit. Der antike Philosoph wäre ein guter Controller gewesen, denn im Controlling kommt es auf vorausschauendes Handeln an. Durch präzise Zahlenanalysen und Auswertungen ermitteln Controller den Ist-Zustand im Unternehmen und denken vor, wie sich der wirtschaftliche Erfolg steigern und sichern lässt.  

Der Beruf des Controllers ist hierzulande noch vergleichsweise jung. Während das Controlling in den USA bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts ein Begriff ist, begannen deutsche Unternehmen erst in den 80er Jahren damit, spezielle Stellen und Abteilungen einzurichten. Heute ist der Beruf aus Wirtschaft und Verwaltung nicht mehr wegzudenken. Schätzungen gehen von zurzeit rund 60.000 Controllern in Deutschland aus. Genaue Angaben sind schwierig, da die Berufsbezeichnung nicht geschützt ist und sich Überschneidungen zu anderen Tätigkeiten ergeben. Nach Einschätzung des Bundesverbandes der Bilanzbuchhalter und Controller e.V. (BVBC) wird der Bedarf an Controllern in den nächsten Jahren stetig anwachsen. Laut einer Stellenmarktanalyse wurden allein im Jahr 2011 deutschlandweit über 16.000 Controller für offene Positionen gesucht. Zudem waren über 1.600 Leitungspositionen im Controlling vakant. 

Wer sich heute für den Beruf des Controllers entscheidet, hat gute Jobperspektiven mit individuellen Entwicklungsmöglichkeiten. Controller werden zunehmend im Gesundheitswesen sowie in sozialen und kulturellen Einrichtungen gefragt. Auch mittelständische Unternehmen greifen aufgrund des allgemeinen Kostendrucks vermehrt auf Controller zurück. 

Weit mehr als Zahlen 

Was zählt zu den Aufgaben eines Controllers? Er analysiert anhand von Eckdaten, was in der Branche vor sich geht, wo das Unternehmen steht und entwickelt geeignete Strategien. Mit qualifizierten Daten und Auswertungen sorgen Controller dafür, dass die Unternehmensleitung strategische Entscheidungen zuverlässig treffen und umsetzen kann. Oft leiten sie weitreichende Veränderungsprozesse ein. Dabei kann es nicht nur um ein neues Kostenrechnungsverfahren gehen, sondern auch um die Optimierung des Berichtswesens oder die Steigerung der Innovationskraft der gesamten Firma. Controller empfehlen der Unternehmensleitung auch, Geschäftsfelder auszuweiten oder komplett einzustellen. 

Die Einsatzfelder des Controllings sind vielfältig. War das Controlling lange Zeit auf die Finanzbuchhaltung ausgerichtet, erstreckt es sich heute über die gesamte Wertschöpfungskette. Eine ausgereifte Methodik erlaubt es, auch weiche Faktoren zu messen und zu bewerten. So können Bereiche wie Risikomanagement, Compliance und Nachhaltigkeit (sog. Green Controlling) Gegenstand des Controllings sein.  

Fachkräften eröffnen sich ebenso vielfältige wie spannende Aufgabenfelder. Auch für selbstständige Controller bieten sich auf dem Markt gute Chancen. Kleine und mittelständische Unternehmen brauchen nur selten einen Vollzeit-Controller und vergeben die Aufgaben lieber an externe Kräfte. Größere Unternehmen greifen bei Spezialaufgaben gerne projektweise auf selbstständige Controller zurück.  

Seit 1995 ist Renate Adler als selbstständige Controllerin tätig. Mit ihrem Unternehmen Control Management unterstützt sie Kunden in Controlling-Aufgaben, häufig als Interimscontrollerin. An ihrem Beruf reizen sie die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten und Herausforderungen. „Wirtschaftliches Denken und Handeln hält in einigen Bereichen erst Einzug“, betont Adler. „Besonders spannend sind Projekte im sozialen und künstlerischen Umfeld, da hier noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten ist.“ Ihr Spezialgebiet ist das Produktions-Controlling. „Oft stelle ich mich selbst an die Maschine, um den Verantwortlichen zu demonstrieren, wie sie ihre Produktionsabläufe optimieren können.“  

Breit gefächerte Verantwortungsbereiche erfordern von Controllern ganz unterschiedliche Kompetenzen. Selbstverständlich muss das klassische Controlling-Instrumentarium mit Kosten-, Leistungs- und Investitionsrechnungen, betriebswirtschaftlichen Kalkulationstechniken und IT-Systemen beherrscht werden. Außerdem gilt es, aussagekräftige Ergebnisse und Berichte zu verfassen und zu präsentieren. Globale wirtschaftliche Prozesse erfordern gute Fremdsprachenkenntnise. Der sichere Umgang mit Englisch und einer weiteren Sprache wird in der Regel vorausgesetzt. Denn nicht nur Großunternehmen agieren heutzutage weltweit und haben ausländische Tochtergesellschaften. Multinationale Abstimmungen und Jahresabschlüsse nach internationalen Standards gehören immer mehr zum Geschäftsalltag. 

Neben Fachkenntnissen sind ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten gefragt. Der Controller muss seinen Kollegen und vor allem der Geschäftsführung überzeugend vermitteln können, wo es hingehen soll. Zudem muss er Entscheidungen gegebenenfalls auch gegen Mitarbeiterproteste durchsetzen, wenn sie im Sinne des Unternehmens sind. Folglich sollte der Idealkandidat gut mit Menschen umgehen und geschickt moderieren können. Dabei sind Durchsetzungsvermögen, Einfühlsamkeit und Geduld gefragt. Ganz wichtig ist ein sicherer Blick fürs Wesentliche. Im Reporting gilt verstärkt das Prinzip „Weniger ist oft mehr“. Der Controller muss schnell eine Vielzahl von Informationen filtern, um der Unternehmensleitung genau die Daten zu liefern, die für Entscheidungen notwendig sind.  

Viele Wege führen ins Controlling

Berufsanwärter können über Hochschulstudiengänge oder Weiterbildungen das Berufsziel Controller erreichen. Wer sich für ein Studium entscheidet, sollte einen wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang mit Schwerpunkt Controlling wählen. Zur weiteren Qualifikation bieten viele Hochschulen auch Masterstudiengänge zum Controlling an. Von Absolventen werden Praxiserfahrungen erwartet, Praktika in verschiedenen Unternehmensbereichen sind von Vorteil.  

Berufstätige finden über gezielte Weiterbildungsmaßnahmen den Einstieg ins Controlling. Die IHK-Weiterbildung „Geprüfter Controller/Geprüfte Controllerin“ ist bundesweit einheitlich nach dem Berufsbildungsgesetz geregelt. Sie richtet sich an Absolventen einer Ausbildung im kaufmännischen oder verwaltenden Bereich. Zudem wird eine mindestens dreijährige Berufspraxis mit Controlling-Aufgaben vorausgesetzt. Wer aus anderen Ausbildungsberufen kommt, muss eine längere Berufserfahrung im Controlling-Bereich mitbringen, um zugelassen zu werden. Alternativ müssen Interessenten ein wirtschaftswissenschaftlichen Studium und zwei Jahre Berufspraxis vorweisen. Es gibt verschiedene Bildungseinrichtungen, die Vorbereitungskurse in Vollzeit, berufsbegleitend oder als Fernlehrgang anbieten. Nach bestandener Prüfung dokumentiert ein Zeugnis die Leistungen der schriftlichen, mündlichen und praktischen Abschlusstests.  

Welcher Weg der richtige ist, hängt von den individuellen Umständen ab. Controllerin Renate Adler hat den Weg über das Hochschulstudium gewählt. Sie studierte zunächst Wirtschaftsökonomie und absolvierte anschließend den Diplomstudiengang Betriebswirtschaft an der Fachhochschule. „Parallel zum Studium habe ich Praktika absolviert, um Theorie und Praxis möglichst eng zu verbinden“, berichtet Adler. Welche Empfehlungen gibt die erfahrene Controllerin Neueinsteigern? „Interessenten sollten sich vor der Ausbildung genau überlegen, ob sie die erforderlichen Qualifikationen für den Beruf mitbringen“, sagt Adler. „Controller müssen den Mut haben, Veränderungen anzustoßen und bereit sein, dafür auch unbequeme Wege zu gehen.“ Angehende Controller sollten möglichst viele Praxiserfahrungen sammeln. Controllerin Adler empfiehlt Nachwuchskräften, in mindestens drei verschiedenen Unternehmen ein berufsbezogenes Praktikum zu absolvieren. 

Qualifizierten Kräften bieten sich vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten. Controller sind maßgeblich an Aufbau und Neuausrichtung von Geschäftsfeldern beteiligt. Sie gehören oft dem Führungsteam an und wirken bei wichtigen wirtschaftlichen Entscheidungen mit. Nicht wenige steigen zum Finanzchef oder Geschäftsführer auf. Der Berufsverband BVBC registriert, dass Führungspositionen in Unternehmen verstärkt mit erfahrenen Controllern besetzt werden. Mit ihrer Kompetenz, das Unternehmen im Ganzen zu betrachten und zu steuern, punkten sie gegenüber anderen Mitarbeitern. 

Der hohe Stellenwert von Controllern schlägt sich auch in ihrem Gehalt nieder. Wie viel ein Controller verdient, hängt wesentlich von seiner Position im Unternehmen, der Betriebsgröße und der Branche ab. Nach Berechnungen des BVBC liegt das Durchschnittsgehalt von Controllern in Deutschland bei rund 60.000 Euro im Jahr. In Spitzenpositionen verdienen Controller sogar bis zu 130.000 Euro. 

Berufsbild der Zukunft heißt Biltroller

Internes und externes Rechnungswesen nähern sich immer mehr an. Die Modernisierung des Bilanzrechts (BilMoG) macht eine Vereinheitlichung von Bilanzbuchhaltung und Controlling notwendig. Im Zuge dessen werden verstärkt Fachkräfte gebraucht, die an der Nahtstelle der beiden Bereiche tätig sind, so genannte Biltroller. Vergleichbar mit dem „Management Accounting“ im amerikanischen Raum, übernimmt der Biltroller gleichzeitig Abrechnung, Planung, Steuerung und Berichterstattung. Junge Controlling-Kräfte sollten sich frühzeitig auf diese Marktentwicklung einstellen.  

Wer wirtschaftliche Änderungsprozesse anstößt und begleitet, muss sich selbst kontinuierlich weiterentwickeln. Lebenslanges Lernen ist für Controller Pflicht. Nur so behalten sie neue Entwicklungen und deren Auswirkungen für das wirtschaftliche Handeln im Blick. Nicht zu unterschätzen sind etwa Kenntnisse in der internationalen Rechnungslegung. Unternehmen bauen verstärkt grenzüberschreitend Geschäftseinheiten auf oder ab. Controller beurteilen die Wirtschaftlichkeit einzelner Units und entwickeln strategische Planungs- und Steuerungsinstrumente für die Geschäftsleitung. Wie gelingt es Controllerin Adler, am Ball zu bleiben? „Ich lese die Fachpresse, besuche regelmäßig BVBC-Fachseminare und tausche mich mit Berufskollegen aus“, so Adler. „Da ich selbst als Dozentin tätig bin, erhalte ich auch durch Fragen aus dem Teilnehmerkreis viele wertvolle Impulse.“ 

Durch ihre Mitgliedschaft im BVBC können Controller mit anderen Berufsträgern regelmäßig Informationen und Erfahrungen austauschen. Arbeitskreise und Seminare vermitteln aktuelles Know-how für die tägliche Praxis. Unter der Internetadresse www.bvbc.de bietet der BVBC Berufsträgern wie Karriereanwärtern viele Informationen rund um den Beruf sowie zu Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen. 

Quelle: Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller e.V. (BVBC), www.bvbc.de 

Der Beruf in Zahlen

Zahl der Controller in Deutschland: rund 60.000 (Schätzung)
davon angestellt: 50.000
davon selbstständig: 10.000
Jobperspektive: rund 18.000 vakante Stellen als Controller und Leiter Controlling in 2011

Expresssuche

Angebote

Gesuche

Mitglieder-Login

   

Probleme beim Login?

Top Firmen

Robert Half - Partner des BVBC-Karriereportals

BVBC © 2016